Chronik
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Aus heutiger Sicht ist es in der Tat verwunderlich, dass die Wirren der damaligen Zeit solche Bestrebungen hervorbringen konnten. Das Bild Deutschlands war geprägt von Armut und Hoffnungslosigkeit, denn die Folgen des verlorenen Krieges hatten katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die junge Republik stand auf sehr wackeligen Beinen, die politische und wirtschaftliche Situation war derart im Umbruch, dass man glauben könnte, die Leute hätten damals andere Sorgen gehabt als einen Wanderverein zu gründen. Dennoch konnten die Herren Ignaz Müller und Otto Bildhäuser aus Engelhelms sowie Karl Alt I aus Edelzell Lehrer Fischenbeck von den Erfolgsaussichten ihres Vorhabens überzeugen und es kam am Donnerstag, dem 29. Juni 1922, dem Tag von Peter und Paul, zur Gründungsversammlung des Rhönklub Zweigvereins Florenberg. Abends um sieben Uhr trafen sich 7 Rhön- und Heimatfreunde in der Gastwirtschaft Franz Alt auf dem Florenberg, um den neuen Verein aus der Taufe zu heben. Unter der Leitung von Fritz Fischenbeck, der bis zu seiner Versetzung nach Fulda 1936 den Vorsitz innehatte, konnte der Verein allmählich sein eigenes Profil entwickeln. Es fanden regelmäßig monatliche Wanderungen statt. 1924 trat man erstmals mit dem Bergfest auf dem Florenberg in die Öffentlichkeit und zu den kulturellen Höhepunkten zählten mehrere Aufführungen des 'Freischütz' von Carl Maria von Weber. Zusätzlich widmeten sich die Wanderfreunde dem Aufstellen und der Pflege von Ruhebänken im Bereich des Florenberges und der Neuinstandsetzung des Dicken Turmes. Fritz Fischenbeck bemerkte 1952 dazu im Rückblick: 'Das Ziel wurde allmählich erreicht, ... die Liebe zur Heimat verband uns zu Freunden und Kameraden und gab uns Kraft und Stärke, die allgemeinen Sorgen zu bestehen.' Unter der Naziherrschaft musste sich der Verein auf behördliche Anordnung in den 'Bund der Leibesübungen' eingliedern und während des Krieges ruhte das Vereinsleben vollends. Erst 1946 erteilte die Militärregierung die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit. 54 Mitglieder unter dem Vorsitz von Peter Helfrich aus Edelzell knüpften an die Tradition der Gründungsväter an und das 25jährige Jubiläum konnte festlich begangen werden. Mittlerweile hatten 105 Wanderfreundinnen und -freunde den Weg zum Zweigverein Florenberg gefunden. Josef Helfrich vom Dicken Turm führte den Verein von 1949, bis er fünf Jahre später zum Gauvertreter gewählt wurde. Ihm folgte Wanderfreund August Breunung, der während seiner 17jährigen Amtszeit den Verein in besonderem Maße prägte. Er war unter anderem der Initiator der Rhönkluballee. Als er 1971 den Vorsitz an Robert Erb aus Bachrain abgab, zählte der Verein etwa 185 Mitglieder. Mit der Person des Hans-Otto Vogel ist der Rhönklub Florenberg in besonderer Weise verbunden. Zunächst mehrere Jahre als Jugendwart, dann als Schriftführer und schließlich von 1973 bis 1995 als Vorsitzender diente er in selbstloser Weise dem Verein. Die jungen Mitglieder hatten bei ihm immer einen hohen Stellenwert, denn er verschaffte der Jugendgruppe in den sechziger Jahren Respekt und eine gewisse Eigenständigkeit innerhalb des Vereins. Das heutige Ansehen des Zweigvereins Florenberg ist sicher auch zurückzuführen auf seine Beliebtheit und seine kompetente Vereinsführung. Aufbauend auf der geleisteten Pionierarbeit wurde der Jugendbereich in den Folgejahrzehnten zunächst von Rita Diel kontinuierlich weiterentwickelt. Stellvertretend für alle Aktiven im Jugendbereich, die ihren Beitrag hierzu geleistet haben, soll hier Jugendwart Ottmar Alt erwähnt werden, der in unermüdlicher Arbeit den Ausbau der Mengelsmühle zum zentralen Zeltlagerplatz und Jugendtreffpunkt vorangetrieben hat. Mit Mehrtageswanderungen durch die Rhön und vielen attraktiven Veranstaltungen bot er einer großen Zahl von Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Mit dem Abriss der Mengelsmühle, verfügt durch einen unverständlichen Beschluss der unteren Naturschutzbehörde, erfuhr die Jugendarbeit einen harten Dämpfer. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen, alle Aktiven verloren damit einen zentralen Bestandteil des Vereinslebens. 1996 übernahm Michael Schneider die Verantwortung für den stark geschwundenen Jugendbereich. Er fand einen neuen Zeltplatz für das traditionelle Pfingstzeltlager und organisiert mit einer durchweg verjüngten Jugendgruppe vielfältige Aktivitäten wie Radtouren, Kletterkurse oder Survival-Touren. Gerhard Röder löste 1995 Hans-Otto Vogel als ersten Vorsitzenden ab. Er führte den Verein sechs Jahre lang kompetent und ganz im Sinne seiner Vorgänger. 2001 folgte ihm Ottmar Alt, bis zu diesem Zeitpunkt zweiter Vorsitzender. Auf sein Betreiben hin wurden am Tegut-Markt in Edelzell ein Schaukasten sowie am Florenberg eine Schautafel mit neuen Wanderwegen und ein weiterer Schaukasten angefertigt und aufgestellt. Die Neugestaltung des Dicken Turms mit einer passenden Innenbeleuchtung und das Anbringen von bronzenen Orientierungstafeln auf der Turmkrone gehen ebenfalls auf seine Initiative zurück. Aktuell zählt der Rhönklub ZV Florenberg etwa 450 Mitglieder, der Anteil der Kinder und Jugendlichen beträgt 168. Durch die Leistungen unzähliger engagierter Vereinsmitglieder im Dienste des Rhönklub und der Natur ist der Zweigverein Florenberg seiner Tradition und seinen Zielen bis in unsere Zeit treu geblieben. Die Theateraufführungen der Laienspielgruppe sind hier ebenso zu nennen wie die Bachpatenschaft der Jugend, der Unterhalt von Ruhebänken und nicht zuletzt die regelmäßigen Wanderungen, zum Großteil mit Erläuterungen oder besonderen Themen. Mit dem Ziel, den Verein für Familien attraktiver zu machen, werden Wanderungen angeboten, die auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten sind. Auch in einer Zeit, die durch ein Überangebot an Freizeitgestaltung, gekennzeichnet ist, hat der Rhönklub ZV Florenberg seinen festen Platz. Gerade in unserer hochtechnisierten Welt bietet der Rhönklub die Möglichkeit, in der Gemeinschaft Natur zu erfahren und die nähere Heimat gründlich kennenzulernen. |